Clochard - Rettung in letzter Minute
22.11.1999
Ende des Sommers 1999 erfuhr ich von Clochard's Besitzerin: Im Frühjahr geschieden, sie zog aus, lässt den Hund bei ihren Ex, weil sie jetzt in einer Wohnung wohnt und einen Ganztagsjob ausüben muss. Er ist Schichtarbeiter und lebt vorzugsweise in der Wohnung seiner Freundin. Und das erfuhr ich Mitte November 1999: Zurück bleibt Clochard - eingesperrt im Haus, wo er aufwuchs, ohne jede Ausgangsmöglichkeit in den Garten - bis zu 16 Stunden am Tag alleine.
Am 12.11.1999 erfuhr ich, dass Clochard in einer Zeitung inseriert ist - er wird abgegeben. Dass ich das Vorkaufsrecht auf alle meine Nachzucht im Kaufvertrag geregelt habe, dass ich sofort zu verständigen bin, wenn der Hund abgegeben werden soll, wird einfach ignoriert. Nun laufen die Telefonleitungen für einige Zeit heiss - nach rund 3 Stunden habe ich ein neues Heim für Clochard gefunden. Jetzt wird der Noch-Besitzer angerufen. Ich sage, was ich gehört habe und erfahre, dass es schon einige Interessenten für Clochard gibt. Ich gebe bekannt, dass ich ein neues Heim für den Hund habe - er will drüber schlafen, er muss es sich noch einige Tage lang überlegen. Ich muss diplomatisch sein und ruhig bleiben, sonst endet Clochard irgendwo und ich werde es nie erfahren.
Vier quälend lange Tage, dann der Anruf von ihm am 16.11.: Er denkt, er kann sich für meinen Vorschlag erwärmen, wenn der Preis passt, den er will. Egal, ich zahle alles, wenn nur der Hund dort wegkommt. Ich werde Clochard selbst abholen. Wann? Er: Bis Donnerstag geht es wegen dem Schichtdienst nicht, dann ist die Tochter bei ihm. Montag oder Dienstag? Montag entscheide ich, je eher desto besser. Ich fürchte die ganze Zeit über, dass etwas dazwischenkommt, die Tage sind endlos - banges Warten.
Endlich ist der 22.11., ich fahre zum vereinbarten Treffpunkt, einer Autobahnraststätte. Ich bin viel zu früh dort, aber lieber warten als zu spät kommen. Schliesslich kommt er, mit einiger Verspätung. Die Begrüssung von Clochard ist überwältigend, wir haben uns seit August 1998 nicht mehr gesehen. Schnell die Formalitäten erledigen: Ahnentafel ist da, der Impfpass nicht - er findet ihn seit Monaten nicht, aber der Hund sei geimpft; Bestätigung unterschreiben lassen - Geld übergeben. Nichst wie raus zum Auto, Clochard's Sachen einladen. Dieser schnüffelt kurz an der Hundebox und ist auch schon drinnen. Heckklappe zu - nichts wie weg hier, rauf auf die Autobahn. Kaum bin ich dort, rufe ich die neuen Besitzer an: alles ok, ich habe den Hund bei mir. Sie werden mir entgegenkommen. Also dann, über die Westautobahn nach Wien und dann auf die Südautobahn Richtung neue Heimat von von Clochard. Der Bursche ist völlig ruhig im Auto, nur hie und da schaut er, was sich tut. Erst am Treffpunkt, wo ich die neuen Besitzer treffen werde (wieder eine Autobahnraststätte), stelle ich fest, in welchem Zustand Clochard ist. Die Tränen sind nicht mehr zurückzuhalten - das hat "mein Baby" nicht verdient. Ja, ich weiss, es gibt viel tragischer Fälle, aber was anderes als Leere kann ein liebender Züchter bei so einem Anblick empfinden? Alles wird von mir in diesem Moment in Frage gestellt - ist es das wert? Kann man so etwas als Züchter verantworten? Soll ich aufhören zu züchten? ....... Fragen über Fragen, und auch Vorwürfe .....
Während ich mit Clochard auf die neuen Besitzer warte, gehe ich mit ihm spazieren, spiele mit ihm und drück ihn an mich. Er ist so dankbar - diese Momente sind auch wieder solche, die ich nie wieder vergessen werde. Dann sind seine neuen Besitzer da. Zuerst ist Clochard zurückhaltend, setzt sich neben mich und sieht mich an, fragend: "Was soll das nun?" Schnell ist der Bann gebrochen - Leckerlis sind dabei und damit ist Clochard sofort zu bestechen. Nun geht er auch schon an der Leine mit seinem neuen Besitzer mit. Sieht gut aus, jetzt machen wir aber eine Pause - ab ins Restaurant. Dort liegt Clochard abwechselnd zwischen seinen neuen Menschen und mir, er lässt nichts aus den Augen, und immer wieder dieser liebevolle Blick von ihm - und ein zartes Wedeln mit der Rute. Ich ersticke ihn fast mit meinen Liebkosungen, aber ich kann nicht anders - sein Blick scheint danach zu schreien. Nun untersucht ihn der neue Besitzer - er ist Tierarzt, und jetzt kommt - soweit man das ausserhalb einer Tierarztordination schnell feststellen kann - fast das ganze Ausmass von Clochard's Zustand ans Licht. Wir sind alle drei schockiert - dieser Hund wurde schon über lange Zeit gänzlich vernachlässigt. Der Tierarzt meint, dass in längstens zwei bis drei Monaten auch psychische "Schäden" aufgetreten wären - es war 5 vor 12!
Auf den Fotos vom 22.11.1999 in Clochard's Slideshow ist sein erbarmungswürdiger Zustand zu Teil zu sehen. Fangen wir mit den "Kleinigkeiten" an und arbeiten uns vor zu den schlimmeren Dingen: Das Fell ist stumpf, geschoren auf ca 5 cm Länge, ärgstens verfilzt von der Haut weg - am ganzen Körper. Seine Ausdünstung lässt zu wünschen übrig. Kein Muskel am ganzen Körper, nicht einmal ein Kaumuskel ist vorhanden. Der Kopf besteht nur aus Knochen, und das ist es auch, was man am ganzen Körper von Clochard fühlt: die Schulterblätter, jeden einzelnen Knochen der Wirbelsäule, alle Rippen, die Hüftknochen - einfach jeden einzelnen Knochen - ohne einen Gramm "Substanz". Clochard ist nur noch ein wandelndes Skelett, das nur von der Haut zusammengehalten wird. Vom Knochenbau, den Proportionen und der Körpergröße entspräche Clochard einem 40 bis 45 kg Rüden (er ist das Abbild seines Vaters Samson) - er wiegt gerade mal 28 kg, weniger als seine kleinere Mutter Yazoo. Sein Stuhl entspricht weniger als dem eines 8 Wochen alten Briard-Welpen, sein Urin ist braun, was auf längeren Flüssigkeitsmangel hinweist. Ein Fall für den Tierschutz! Später stellt sich noch heraus, dass aufgrund mangelhafter Ernährung im Wachstum seine Knochen teilweise deformiert sind.
Clochard scheint psychisch NOCH in Ordnung zu sein. Zu Menschen, die ihm wohlgesonnen sind, hat er blindes Vertrauen. Seine Augen haben NOCH den lebhaften Glanz, sein Blick drückt eine unglaubliche Sehnsucht nach Liebe aus. Geht man darauf ein, dankt er es mit einer Freude, die nicht erahnen lässt, was Clochard während der letzten Monate durchgemacht hat. Es wird Zeit - wir müssen weiter.
Bericht am nächsten Tag:
Alles besser gelaufen, als wir alle erwartet haben. Die beiden im Haus befindlichen Hunde wurden noch ausgeführt, damit Clochard sein neues Heim in Ruhe inspizieren kann, damit er seine erste Mahlzeit (wann hatte er wohl zuletzt eine???) in Ruhe zu sich nehmen kann. Dann die Zusammenkunft: Clochard sieht im ersten Moment nicht ein, dass da noch andere Hunde sind - er ist besitzergreifend, er muss SEINE Menschen beschützen. Nur einmal muss ihm erklärt werden, dass die beiden anderen Hunde auch hier leben - er akzeptiert es. Alle drei schlafen imselben Zimmer - und es ist ruhig. Am nächsten Morgen: alle drei spielen im Garten, Xenia und die beiden Brüder Clochard und Esprit. :-) Nur wenn Esprit zu stürmisch wird während Clochard seine Ruhe haben will, dann wird leise geknurrt - der kleine Bruder versteht und akzeptiert es. Es ist also doch wieder einer aus dem C-Wurf im Hause von Edith und Michael.
Die schreckliche Trennungsangst von Clochard macht es scheinbar leichter: keine Probleme beim Spazierengehen - funktioniert vom ersten Tag an ohne Leine. Im Haus braucht er Sichtkontakt zu einem seiner Menschen, dann ist er zufrieden. Auch beim Fressen, will er einen seiner Menschen sehen, sonst verlässt er sofort die Futterschüssel. Aber ansonsten vertraut Clochard seinen Menschen schon voll und ganz. Und zu allem Glück darf er auch noch überall hin mitfahren, wenn es auch nur ein ganz kurzer Weg ist - Clochard MUSS dabei sein, das ist jetzt das wichtigste. Was noch wichtig ist: er wird mehrmals täglich mit kleinen Portionen gefüttert - sein Magen muß sich langsam wieder umstellen, und der Aufbau seines Körpers wird auch einige Zeit in Anspruch nehmen, denn Clochard hat absolut keine Kondition. Wie sollte er auch - so ganz ohne jeden Muskel ...... Bald wird Clochard so aussehen, wie er seinem Alter gemäss aussehen sollte. Wo wäre er besser aufgehoben als in den Händen eines Tierarztes?!?!?!
War es im Ende jedoch NICHT: Auch er wurde - wie sein Bruder Chivas Regal - von seinem Besitzer überfahren. Das werde ich nie verstehen. Hat der Mann nicht daraus gelernt, dass er schon einen Hund mit dem Auto getötet hat? Lernt man aus so einer schrecklichen Erfahrung nicht, dass man mehrmals schaut, ob ein Hund in der Nähe, hinter, vor oder unter dem Auto ist. ....... Was habe ich diesen beiden Nachzuchthunden nur angetan?.......
Chivas Regal in Memoriam - sein Schicksal
(03.03.1998 - 25.08.1998)
Chivas - Sohn von Samson und Yazoo - starb bei einem tragischen Autounfall: er wurde von seinem Besitzer, einem Tierarzt, am eigenen Hof überfahren. Gott sei Dank war er sofort tot und musste nicht leiden. Viel zu jung (nur 9 Tage bevor er sechs Monate alt geworden wäre), viel zu früh, völlig unverständlich, ohne jeden Sinn, wurde dieser wundervolle Briard-Rüde aus dem Leben gerissen.
Chivas hinterlässt bei mir als seine Züchterin, grosse Leere. Alles was bleibt sind 2 Monate Erinnerungen an eine wunderschöne, glückliche Zeit hier in der Zuchtstätte.
Romeo in Memoriam
Ein wunderbarer Rüde ist viel zu früh über die Regenbogenbrücke gegangen. Ein tragischer Tod: umgekommen in einem Feuer in dem Haus, in dem er lebte, gemeinsam mit seiner Tochter Jasmine (Sagi's A Rose By And Other Name) und einem Mischling.
Romeo war das Ebenbild seines Vaters Samson - nicht nur im Aussehen, sondern auch in seinem Wesen, seinem Charakter, .......... einfach in allem. Dieser tragische Tod hat nicht nur seine Besitzer, sein Frauchen und seine Züchterin in tiefe Trauer gestürzt, sondern er hinterlässt auch eine nicht zu ersetzende Lücke in der Zucht mit dieser hervorragenden belgisch-französischen Linie.
Zu hoffen bleibt, dass er und seine Tochter nicht zu lange leiden mussten, gefangen in einem Feuer aus dem sie keine Chance hatten zu entkommen, und dass Romeo seinen Weg über die Regenbogenbrücke zu seinen Eltern Samson und Yazoo sowie zu seinen Geschwistern Chivas Regal, Clochard und Einstein gefunden hat, die auch alle ganz plötzlich, unerwartet und viel zu früh aus dem Leben gerissen wurden und grosse Lücken in den Herzen ihrer Menschen hinterlassen haben.
Die Lücken, die diese Hunde in so vielen Herzen und in der Briard-Welt hinterlassen haben, werden nie wieder geschlossen werden
ROMEO - Vater, Grossvater und Urgrossvater von Champions
Apollo in Memoriam
APOLLO de la Maison du Garde-Barrière

Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern eines.
Das eine Blatt, man merkt es kaum,
denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein
war Teil von unserem Leben.
Drum wird dies eine Blatt allein
uns immer wieder fehlen.
(Johann Wolfgang Goethe)
31. Januar 1994 - 1. Juli 2006
Vater: Rec. Champ. SÁNDOR von Anitzberg (Österreich * HD A/B, PRA-frei, SNB-frei * BgH 1+2 * Champion Slowakei 1997 * angekört auf Lebzeit - zur Zucht empfohlen)
Mutter: ARWA Zevar CS (Import aus der Slowakei * HD A/A * SchH 1)
Apollo entstammte dem ersten Wurf meiner Zuchtstätte de la Maison du Garde-Barrière. Er kam im Alter von acht Wochen zu einem pensionierten Ehepaar nach Niederösterreich; schon mit vier Wochen hatte sich Apollo selbst für Fam. Hauser entschieden. Er hatte ein wunderschönes Leben als Einzelhund und war rund um die Uhr mit seinen Besitzern zusammen.
Am 15. April 2005 wurde ich von der Assistentin des Tierarztes von Apollo mittels eMail angeschrieben, dass dieser Rüde DRINGEND sofort einen neuen Platz braucht: sein Herrchen war an schwerer Alzheimer erkrankt und im Krankenhaus und sein Frauchen stand kurz vor dem Krebstod. Apollo's Frauchen wollte ihrem Liebling das Tierheim ersparen und war zum Tierarzt gegangen mit der Bitte, Apollo einzuschläfern. Das wurde aufgrund des guten Gesundheitszustand's von Apollo strikt abgelehnt und so war man nun auf der Suche nach jemandem, der diesem Hund noch einen schönen Lebensabend bescheren konnte. Die Tierarzt-Assistentin hatte sich über die Daten in der Ahnentafel und im Impfpass auf die Suche nach meiner Adresse gemacht und eine eMail-Adresse gefunden.
Da vor genau einem Monat unser geliebter Samson über die Regenbogenbrücke gegangen war, entschied ich kurzfristig, diesen Rüden aufzunehmen. Apollo sollte seinen Lebensabend dort verbringen, wo er geboren war - das war ich ihm und seinen Besitzern schuldig. Ich rief seine Besitzerin noch an: sie sollte vor ihrem Tod noch wissen, dass sie sich keine Sorgen mehr um ihren Liebling machen müsse, denn er würde zu mir kommen. Frau Hauser war darüber sehr erleichtert und sehr glücklich. Noch am selben Abend wurde Apollo von der Tierarztassistentin, die ihn ein paar Tage bei sich aufgenommen hatte, abgeholt. Apollo stieg sofort ins Auto ein und schlief während der ganzen Fahrt. Was mir die Kehle zuschnürte war, dass das ganze Leben von Apollo in einer Plastiktüte verpackt war: seine Decke, Futter- und Wasserschüssel, Impfpass, Ahnentafel, Halsband, Leine, Spielzeug, ja sogar sein Welpenhalsband, das er von mir mitbekommen hatte, war dabei. Ein ganzes Leben - 11 Jahre - verpackt in eine Plastiktüte ......
Der Besitzer von Akira, einer Schwester von Apollo, war mit und entschied während der Fahrt, dass er Apollo bei sich aufnehmen könnte, denn er hatte nur Hündinnen im Haus. Das ging aber leider nicht gut, denn Apollo attackierte das schwächste Mitglied des Rudel's, die Mischlingshündin, die schwer an Leukämie erkrankt war. Also kam Apollo am nächsten Tag zu mir. Nach kurzer Zeit erkannte er mich und das machte es ihm wohl ein wenig leichter, sich in seiner Geburtsstätte einzuleben. Zum Glück nahm er vom ersten Moment an das ihm gebotene Futter und damit war eine grosse Hürde, die ich gefürchtet hatte, überwunden. Meine beiden Hündinnen Whoopy und Oh-Lala halfen Apollo auch sehr, dass er sich hier wohlfühlte. Schlussendlich bevorzugte er Whoopy als seine ständige Begleiterin, weil sie wesentlich ruhiger ist als Oh-Lala.
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Am 1. Juli 2006 musste ich mich von Apollo verabschieden und ihn über die Regenbogenbrücke gehen lassen: seine Beine versagten komplett und wollten ihn nicht mehr tragen. Vierzehn Monate lang habe ich mit viel Liebe diesem herzensguten Burschen seinen Lebensabend verschönt, nachdem er im Alter von 11 Jahren aus einem erfüllten und wunderschönen Leben bei seinen Besitzern gerissen wurde.
Ich hoffe, ich konnte Dir, lieber Apollo, ein guter Ersatz für die geliebten Menschen sein, für die Du 11 Jahre lang der Lebensinhalt, das Ein und Alles warst.


